Salutschützen



Kurzchronik der Salutschützen

Am Anfang steht immer eine Idee. Es war in den April- und Maitagen 1981 anläßlich des Festes zum hundertjährigen Bestehen der Schützengesellschaft. Vermutlich waren es der Wettkampfgeist und die Feststimmung beim Sektionsschießen und bei den anschließenden Jubiläumsfesttagen, die Gordian Baier, unseren vielseitigen Ehrenamtlichen, auf die Idee brachten: „Warum gründen wir nicht einen Salutschützenzug?“ Die Traditionalisten unter den Männern der Schützengesellschaft „Fröhlicher Abend“ Taufkirchen 1881 e. V. nahmen die Idee mit Begeisterung auf. Man begann, zu diskutieren: welche Waffenart, welche Tracht standen zur Auswahl, welche rechtliche und behördliche Hürden waren zu überwinden?

Am 8. Januar 1982 traten 18 Interessierte zur ersten Salutschützenversammlung zusammen. Man entschied sich für den „Karabiner 98 kurz“ als Salutwaffe und als Schützentracht für die Lederbundhose, naturweiße Strümpfe, schwarze Haferlschuhe, weißes Trachtenhemd und die Miesbacher Joppe. Als Kopfbedeckung diente zunächst der Schützenhut des Vereins, der später durch den Oberland-Flößerhut mit Feder und Adlerflaum ersetzt wurde. Man wollte an die altbairische Schützentradition anknüpfen, jedoch nicht die Gebirgsschützen kopieren.

Die waffenrechtlichen Experten des Vereins wandten sich an die zuständigen Behörden um die Erlaubnis zur Bildung einer „Salutschützenkompanie“ und um die Schießerlaubnis für Oberbayern. Beides wurde erteilt. Unser Waffenfachmann Kurt Zink, verstorben 1995, beschaffte die Salut-Karabiner, machte sie schießfähig und ließ sie waffenrechtlich abnehmen und freigeben.

Das Wichtigste einer Salutkompanie ist Einheitlichkeit im Erscheinungsbild. Viel Exerzierdrill ist dabei notwendig. Vereinsmitglied Johann Allmendinger legte anläßlich der zweiten Salutschützenversammlung ein Schießreglement vor. Mit dem Üben wurde begonnen. Die Salutschützen vermieden dabei bewußt militärische Exaktheit. Das Anliegen der Schützen war Einheitlichkeit in Erscheinung, Bewegung und Salutablauf; dies gilt noch heute.

Nach Erteilung der behördlichen Genehmigung zum Waffengebrauch konnte der erste Einsatz des Salutzugs am 5. September 1982 unter dem Kommando von Gordian Baier erfolgen, aus Anlaß der Einweihung des Schützenhauses unseres Patenvereins „Schützenfreunde Oberhaching“. Der zweite Einsatz fand statt am 8. Dezember 1982 unter dem Kommando von Johann Allmendinger anläßlich des 75. Geburtstags unseres Ehrenschützenmeisters August Baader sen.. Der 50. Einsatz führte die Salutschützen auf Einladung am 1. September 1990 nach Hamburg-Harburg zum 50. Geburtstag des norddeutschen Schützenbruders Horst Soltau. Eine echte Schützenhochzeit war Anlaß für den 100. Einsatz: die Vereinsmitglieder Ines Allmendinger und Alexander Joppa heirateten am 12. Juli 1997. Der 150. Saluteinsatz war am 21. September 2003 anläßlich des 75. Geburtstags von Hilde Baader, der Fahnenmutter der Schützengesellschaft. Bis zum 3. Oktober 2004 waren es 160 Saluteinsätze, welche die Salutschützen seit ihrer Gründung absolvierten. Der letzte Einsatz war die Teilnahme am traditionellen Böllerschießen zum Schluß des Oktoberfestes 2004 am Fuße der Bavaria auf der Münchener Theresienwiese. Stets hielten sich die Salutschützen an die strengen Auflagen ihres selbstgegebenen Salutreglements, nämlich ausschließlich bei kirchlichen und weltlichen Veranstaltungen mit Bezug auf das Schützenwesen aufzutreten.

Durch Auftreten, Erscheinungsbild und exakte Präsentation des Saluts erwarben sich die Salutschützen Respekt und Beliebtheit. Dies verdanken sie der Unermüdlichkeit, Genauigkeit und manchmal auch der unerbittlichen Strenge ihres Salutzugkommandanten Johann Allmendinger, der es verstand, einen Haufen eigensinniger Männer „bei der Stange“ zu halten. Der Allmendinger Hans legte sein Ehrenamt, das er mehr als 20 Jahre innehatte, am 6. Februar 2003 nieder. Die Salutschützen verdanken ihm sehr viel.

Weil eine Chronik von der Vergangenheit erzählt, ist es den Salutschützen ein Bedürfnis, an dieser Stelle noch eine andere Persönlichkeit besonders zu würdigen. Es ist unsere Gerda Sommer. Sie war im besten Sinne des Wortes die „Mutter der Kompanie“. Obgleich die Sommer Gerda kein Mitglied des Salutzuges war – es aufgrund des ausschließlich auf die Mitgliedschaft von Männern festgelegten Status nicht sein konnte – kümmerte sie sich um viele Einzelheiten, die den Salutschützen nützten oder die ihnen auch einmal aus Notlagen halfen. Sie band Blumenschmuck für die Hüte, transportierte die Gewehre, nähte Knöpfe an, besserte ausgerissene Ärmel aus, versorgte Wunden und kurierte verdorbene Mägen mit einem gehaltvollen Wundertränklein. Gerda Sommer starb im Jahre 2000. Sie fehlt uns.

Zurück in die Gegenwart mit dem Versuch eines Ausblicks in die Zukunft. Am 6. Februar 2003 wählten die Salutschützen den bisherigen 2. Salutzugkommandanten Gordian Baier zu ihrem „Chef“ und Johann Maier zum 2. Salutzugkommandanten. Schriftführer blieb der altbewährte Horst Sommer. Die Waffenmeisterei wurde Klaus Peter Heidt übertragen. Und der aus dem Amte geschiedene Allmendinger Hans freut sich nun, nach den langen Jahren des Kommandierens und Präsentierens, endlich im Salutzug mitschießen zu dürfen. In all den Jahren hielten die Salutschützen freundschaftlich zusammen, und sie sind an Mitgliederzahl gewachsen. Der Zeitgeist und der Trend des zurückgehenden Interesses am Vereinsleben konnten der Gemeinschaft bisher nichts anhaben. Deshalb blicken die Salutschützen optimistisch in die Zukunft und wollen die Traditionskomponente einer modernen Sportschützengesellschaft bleiben.

(Hanns Peter Wagner)